Laborpraktikum
Lernraum für forschendes Tun
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Beim Laborpraktikum handelt es sich um ein Format, in dem Inhalte nicht nur vermittelt, sondern als Forschendes Lernen durch aktives Tun in einem fachlich-authentischen Kontext «durchdacht» werden. Im Unterschied zu vielen anderen Lehrformaten stehen hier nicht Rezeption und Diskussion im Vordergrund, sondern planendes, durchführendes und reflektierendes Handeln im experimentellen Setting.
Diese Praxisnähe erfordert eine besonders sorgfältige didaktische Gestaltung: Studierende müssen nicht nur mit Materialien und Methoden umgehen, sondern lernen, komplexe Abläufe zu strukturieren, Hypothesen zu entwickeln, Daten und Fehler kritisch zu analysieren, und Ergebnisse zu interpretieren. Laborpraktika fördern also nicht nur technisches Know-how, sondern auch wissenschaftspropädeutisches Denken, Problemlösefähigkeiten sowie kommunikative und kooperative Kompetenzen.
Damit das gelingt, braucht es eine klare didaktische Kohärenz. Im Laborpraktikum bedeutet das konkret: Learning Outcomes müssen auf Handlungs- und Reflexionskompetenz zielen, Inhalte und Methoden müssen so ausgewählt sein, dass sie auch Analyse, Interpretation und Diskussion der Ergebnisse ermöglichen (z.B. offene Versuchsanordnungen oder variierende Versuchsziele) und das Prüfungsformat muss ebenfalls den gesamten Lernprozess abbilden.
Einblicke
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
In einem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang bearbeiten Studierende über das Semester hinweg eine reale Fragestellung in Kleingruppen. Die Gruppen entwickeln eigene Versuchspläne, wählen Parameter selbstständig aus und dokumentieren nicht nur Ergebnisse, sondern auch Hypothesen, Entscheidungen und Irrwege im Lernjournal. Zusätzlich finden wöchentliche Reflexionsrunden im Plenum statt. |
Durch die Kombination aus aktiver Problembearbeitung, dokumentierter Reflexion und kollegialem Austausch werden wissenschaftliches Denken, Teamarbeit und Selbststeuerung gefördert. |
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
In einem Grundlagenpraktikum der Biologie enthalten die Versuchsblätter Ziel, Ausgangsfragen und verfügbare Materialien. Studierende entwickeln daraus in Tandems ihre detaillierte Vorgehensweise. Nach jedem Versuch fassen sie zentrale Entscheidungen schriftlich zusammen und geben ein Peer-Feedback auf die Versuchsdokumentation eines anderen Teams. |
Die reduzierte Anleitung fördert das eigenständige Planen und begründete Entscheiden im Experiment. Durch den regelmässigen Austausch im Peer-Feedback lernen die Studierenden, ihre Arbeit kritisch zu reflektieren und Rückmeldungen konstruktiv zu nutzen. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
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| Studierende konzentrieren sich auf das korrekte Abarbeiten von Versuchsschritten, nicht auf das Verstehen von Prinzipien und Prozessen. |
Passen Sie allenfalls die Learning Outcomes an und achten Sie darauf, reflexive Aufgaben einzubauen.
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| Versuche wirken losgelöst von beruflichen Anwendungen oder Forschungspraxis. |
Integrieren Sie authentische Aufgabenstellungen oder Anwendungsbezüge, z. B. Mini-Forschungsaufträge oder Fallbeispiele aus der Praxis, und nutzen Sie Chatbots unterstützend, um realitätsnahe Szenarien oder Reflexionsimpulse bereitzustellen. |
| Heterogener Lernstand der Studierenden - einige sind überfordert, andere unterfordert. |
Führen Sie vorab eine kurze Wissensdiagnose durch, z. B. ein Quiz oder eine Selbsteinschätzung. Bieten Sie ergänzende Materialien zur Vorbereitung an.
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| Der Versuch endet mit der Durchführung – ohne Analyse, Diskussion oder Rückmeldung. |
Planen Sie Reflexionsphasen explizit ein, als «Debriefing» im Plenum, Lernjournal oder durch Peer-Feedback.
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| Das enge Zeitraster lässt wenig Raum für Nachbereitung oder Austausch. |
Reduzieren Sie Anzahl oder Umfang der Versuche zugunsten von Vertiefung und Diskussion. |
Ressourcen
Literatur
Gleßmer, M. S., Knutzen, S., & Salden, P. (2015). Die Spannung steigern: Laborpraktika didaktisch gestalten.
