Forschendes Lernen 

Wissenschaftliches Denken durch eigenes Forschen

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Forschendes Lernen ist ein didaktisches Konzept. Lernende eignen sich Inhalte an, indem sie selbst aktiv forschend tätig werden – idealerweise mit selbst entwickelter Fragestellung, Datenerhebung, Auswertung, Interpretation und Präsentation der Ergebnisse. Ziel ist nicht nur der Wissenserwerb, sondern auch das Explorieren und Erzeugen von neuem Wissen sowie die Entwicklung von Kompetenzen in der eigenständigen Problemdefinition, im methodischen Vorgehen und in der kritischen Reflexion. 

Forschendes Lernen verbindet den «Shift from Teaching to Learning» mit einer aktiven, entdeckenden Lernhaltung. Im Gegensatz zum Problemorientierten Lernen ist Forschendes Lernen weniger stark strukturiert und lässt den Studierenden mehr inhaltlichen und methodischen Spielraum. Es findet seinen Platz daher besonders in fortgeschritteneren, forschungsorientierten Studienphasen, insbesondere in Projektseminaren, Laborpraktika und Inverted-Classroom-Formaten mit forschungsbezogenen Arbeitsaufträgen. 

Einblicke

FORSCHUNGSZUGANG DURCH BEISPIEL UND BEOBACHTUNG
Aktivität Nutzen
In einem Seminar zur Erziehungswissenschaft sollen die Studierenden eine qualitative Beobachtung an einer Schule durchführen. Dafür sollen sie eine eigene Fragestellung entwickeln, eine passende Methode wählen und ihre Ergebnisse reflektieren. Das Seminar startet mit einer kompakten Einführungsphase, in der die Professorin den Forschungszyklus anhand konkreter Beispiele vorstellt und typische Schritte erläutert.  Durch die exemplarische Einführung wird der komplexe Forschungsprozess anschaulich und zugänglich gemacht. Auf dieser Grundlage können die Studierenden den Forschungszyklus eigenständig durchlaufen.
TIEFSEEANALYSE MIT ECHTEN DATEN
Aktivität Nutzen
In einem Modul zur Biodiversität in Ozeanen entwickeln Studierende eine eigene Fragestellung zur Verbreitung von Tiefseeorganismen im Atlantik. Da Tauchfahrten und Probeentnahmen logistisch nicht möglich sind, greifen sie auf frei zugängliche Datensätze zurück. Anhand derer analysieren sie Vorkommensdaten, erstellen Karten und diskutieren ökologische Einflussfaktoren.  Die Studierenden erleben, wie sich wissenschaftliches Denken auch ohne Feldzugang entfalten kann: durch eigenständige Fragestellung, Datenauswertung und kritische Interpretation.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Unsicherheit bei Studierenden über Forschungsbegriff und -prozess

Vermitteln Sie den Forschungszyklus mit konkreten Beispielen; bieten Sie eine Einführungsphase an. 

Überforderung seitens Studierender durch offene Aufgabenstellungen und hohe Eigenverantwortung 
 

Strukturieren Sie den Ablauf mit Etappenplänen, Checklisten und Zwischenfeedbacks.

 

Heterogene Vorkenntnisse und Kompetenzen

Definieren Sie Eingangskompetenzen und bieten Sie Auffrischungsmaterial an. Bieten Sie begleitende Methoden-Workshops an. 

 

Knappe Ressourcen (Zeit, Räume, Zugänge zu Daten) 

Reduzieren Sie Umfang und Tiefe: Mini-Projekte, Simulationen, Dokumentenanalysen bieten sich z.B. als Alternative zu umfangreichen Forschungsprojekten an. 

 

Ressourcen

Lehmann, J., & Mieg, H. A. (Eds.). (2018). Forschendes Lernen: Ein Praxisbuch. Verlag der Fachhochschule Potsdam.

  • Abschnitt “Studierende für Forschung gewinnen” und Abschnitt “Öffentlich machen”: konkrete Settings, Aufgabenformate und Umsetzungsbeispiele für Forschendes Lernen in verschiedenen Fächern.