Lernjournal
Dokumentation individueller Lernerfahrungen
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Ein Lernjournal (auch Lernportfolio, Portfolioarbeit, Lernprotokoll) ist eine Methode, mit der Studierende über einen längeren Zeitraum und regelmässig ihre Lernprozesse und Ergebnisse dokumentieren. Mit Leitfragen wird die Selbstreflexion strukturiert unterstützt, z.B. in Bezug auf Learning Outcomes, Lernfortschritte, Schwierigkeiten oder persönliche Erkenntnisse. Ein Lernjournal kann analog oder digital (z.B. in ILIAS) geführt werden.
Es kann neben der begleitenden Reflexion auch als Instrument zur Inhaltsverarbeitung und für formative oder summative Prüfung eingesetzt werden.
Aufwand: mittel bis hoch
VORBEREITUNG: Leitfragen, ggf. Bewertungsraster entwickeln
DURCHFÜHRUNG: ggf. Feedback
NACHBEREITUNG: ggf. Feedback und/oder Bewertung
Einblicke
Begleiten
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Studierende halten in einem fortlaufenden Lernjournal regelmässig ihre persönlichen Lernziele, aktuelle Herausforderungen und erprobte Lernstrategien fest. Dozierende unterstützen diesen Prozess mit gezielten Schreibimpulsen (z.B. «Wo stehe ich aktuell?», «Was hat gut funktioniert?», «Was möchte ich ändern?») und geben Feedback zu ausgewählten Reflexionen. | Die Methode unterstützt Studierende darin, ihre individuelle Lernsituation systematisch zu reflektieren und eigene Strategien weiterzuentwickeln. Lehrende erhalten Einblick in Zielsetzungen und Schwierigkeiten der Studierenden und können Impulse zur Weiterarbeit oder Beratung geben. |
Verarbeiten von Lehrinhalten
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Studierende führen ein wöchentliches Lernjournal zu gelesenen Texten. Darin fassen sie zentrale Inhalte in eigenen Worten zusammen und verknüpfen sie mit ihrer Perspektive oder Praxiserfahrung. | Die Methode unterstützt Studierende dabei, gezielter zu lernen, Inhalte besser zu behalten und ein tieferes Verständnis zu entwickeln, indem sie Theorieinhalte mit persönlicher Bedeutung verknüpfen. Dozierende erhalten zugleich Einblick in individuelle Lernprozesse und können diese fördern. |
Summatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Studierende führen über das gesamte Semester ein strukturiertes Lernjournal (z.B. mit Leitfragen zu jeder Sitzung oder Aufgabe). Zum Semesterende reichen sie eine überarbeitete, kommentierte Fassung mit einem zusammenfassenden Reflexionsbericht ein. Die Bewertung erfolgt anhand eines vorher festgelegten Bewertungsrasters. | Die Methode anerkennt individuelle Lernwege und fördert zugleich die Reflexions- und Schreibkompetenz der Studierenden. Sie unterstützt die Strukturierung des Lernprozesses und die Entwicklung metakognitiver Fähigkeiten. Dozierende erhalten eine schriftliche Grundlage, um Lernentwicklung und Theorieverständnis differenziert zu beurteilen. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Studierende sehen keinen klaren Nutzen. |
Machen Sie die Ziele des Portfolios transparent. Erläutern Sie den konkreten Nutzen und wie das Portfolio in den Kursablauf integriert ist. |
| Journale bleiben zu oberflächlich oder rein beschreibend. |
Geben Sie Impulsfragen vor, z.B. «Was habe ich heute verstanden – was noch nicht?», «Was war überraschend?». Geben Sie insbesondere zu Beginn Feedback. |
| Formale Kriterien und Technik sind uneinheitlich. |
Bestimmen Sie klar: analog oder digital? Format? Abgabepunkte? Bewertungskriterien? Leiten Sie Handlungsanweisungen ab. |
| Schwierigkeit der Bewertung: Subjektive Inhalte lassen sich schwer benoten. |
Bewerten Sie Journale nur als Teilnahmeleistung oder nutzen Sie klare Kriterien (vgl. Leistungsbewertung).
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| Gefahr der Nachlässigkeit über das Semester. |
Setzen Sie regelmässige, kurze Abgabefristen und bauen Sie kleine Feedbackschleifen ein – auch Peer-Feedback ist möglich.
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Alternative Methoden
One-Minute-Paper
Regt zur kurzen, spontanen Reflexion über Gelerntes oder offene Fragen an. Es ist punktuell und sehr kurz und kein längerfristiges, kontinuierliches Format.
RSQC2
Strukturierte Rückschau auf Gelerntes mit Fokus auf persönliche Erkenntnisse und offene Fragen. Ist eine punktuelle Einzelmethode, nicht kontinuierlich oder offen geführt.
Doppeldecker-Lesejournal
Verbindet fachliche Inhalte mit persönlicher Reflexion beim Lesen. Ist spezifisch auf Lektüreprozesse ausgerichtet, nicht auf den gesamten Lernverlauf oder Veranstaltungen allgemein.
