Doppeldecker-Lesejournal
Lesen mit doppelter Perspektive
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Das Doppeldecker-Lesejournal ist eine strukturierte Lesemethode, bei der Studierende ihre Lektüre auf zwei Ebenen reflektieren: In der ersten Spalte wird der Inhalt eines Textes zusammengefasst, in der zweiten Spalte werden persönliche Gedanken, Fragen oder Bezüge zum eigenen Vorwissen notiert. So fördert das Journal das Textverständnis und die Fähigkeit zur kritischen Reflexion.
Die Methode eignet sich vor allem, um Vorwissen zu aktivieren und für formative Prüfungen. Sie kann analog oder digital, z.B. mit einer ILIAS-Übung, umgesetzt werden.
Aufwand: niedrig bis mittel
VORBEREITUNG: Formulierung von Leitfragen und ggf. Beispielmaterial
NACHBEREITUNG: Feedback
Einblicke
Vorwissen aktivieren
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Vor jedem Seminartermin lesen die Studierenden einen kurzen Einführungstext zum Thema der Sitzung. In ihrem Doppeldecker-Lesejournal notieren sie zentrale Begriffe, Aussagen oder Passagen des Textes und halten ihre bisherigen Kenntnisse dazu fest. Im Seminar vergleichen sie ihre Einträge in kleinen Gruppen. Anschliessend werden im Plenum zentrale Punkte gesammelt und offene Fragen festgehalten. | Die Methode fördert die Verknüpfung von Textinhalten mit eigenen Vorerfahrungen. Im Seminar ermöglichen die Journale den Vergleich unterschiedlicher Verständnisse, decken Wissenslücken auf und schaffen eine gemeinsame Ausgangsbasis für die anschliessende Diskussion. |
Formatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Studierende lesen wissenschaftliche Texte und führen parallel ein Doppeldecker-Lesejournal. Sie notieren zentrale Inhalte sowie Kritikpunkte zu diesen Inhalten. Die Lehrperson sichtet eine Auswahl dieser Journale oder greift Einträge exemplarisch in der Sitzung auf. | Die Methode fördert ein nachhaltiges Textverständnis und schult die Fähigkeit der Studierenden, Fachtexte kritisch zu bewerten, und unterstützt eine aktive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Dozierende erhalten Einblicke in das Textverständnis und die Argumentation und können darauf aufbauend Rückmeldungen geben. |
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Nach der Lektüre tauschen die Studierenden ihre Doppeldecker-Lesejournale in Kleingruppen aus. In der rechten Spalte halten sie eigene Argumente und Kritikpunkte fest. Die Peers geben Rückmeldung, ob die Argumentation schlüssig aufgebaut ist und sich klar auf den Text bezieht. | Das Doppeldecker-Lesejournal in Kombination mit Feedback fördert eine vertiefte und reflektierte Textarbeit. Durch das Gegenüberstellen eigener Argumente und externer Rückmeldungen schärfen Studierende ihr Urteilsvermögen, erkennen blinde Flecken in ihrer Argumentation und entwickeln ein differenzierteres Verständnis des Textes. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Studierende schreiben oberflächliche Notizen. |
Formulieren Sie konkrete Leitfragen, die zur Reflexion anregen (z.B. «Was überrascht mich?», «Wo sehe ich Widersprüche?»). |
| Reflexionsspalte wird nicht kritisch genutzt. |
Zeigen und analysieren Sie Beispiele für gelungene Reflexion. |
Alternative Methoden
Lernjournal
Fördert regelmässige schriftliche Reflexion über Lerninhalte. Es ist freier und umfassender und fokussiert nicht nur auf die strukturierte Lektüre eines Textes.
Concept Map
Visualisiert systematisch und fördert das Verstehen, Verarbeiten und Vernetzen von Fachinhalten auf individueller Ebene. Sie ist weniger subjektiv, dafür stärker struktur- und beziehungsorientiert.
One-Minute-Paper
Regt zur Reflexion über zentrale Inhalte oder offene Fragen an. Es ist kürzer, spontaner und punktueller aber kein kontinuierliches Lektüreinstrument.
