Didaktische Kohärenz
Learning Outcomes, Methode und Prüfungen aufeinander abstimmen
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Didaktische Kohärenz bezeichnet die Passung und wechselseitige Abstimmung von Learning Outcomes (Lernergebnisse), Lehrmethoden und Prüfungen innerhalb einer Lehrveranstaltung oder eines Curriculums. Sie ist damit eine zentrale Grundlage guter Lehre. Ziel ist es, dass alle didaktischen Elemente gemeinsam auf das Erreichen der Learning Outcomes ausgerichtet sind. Nur wenn diese Elemente logisch aufeinander bezogen sind, entsteht ein stimmiger Lernprozess. Konkret bedeutet das beispielsweise: Wenn Studierende lernen sollen, ein Konzept praktisch anzuwenden, reicht es nicht, ihnen dieses Konzept zu erklären. Die Lehrinhalte müssen durch geeignete Methoden – etwa Fallbeispiele, Übungen oder Diskussionen – ergänzt werden, die das Anwenden fördern. Gleichzeitig muss sich dieses Ziel auch in der Prüfungsform widerspiegeln, etwa durch anwendungsorientierte Aufgabenstellungen. Insbesondere in der kompetenzorientierten Hochschulbildung, wie sie auch im schweizerischen Qualifikationsrahmen beschrieben ist, ist didaktische Kohärenz ein Schlüsselelement: Kompetenzen entstehen nicht allein durch Inhalte, sondern durch gezielte Lernprozesse – und diese müssen kohärent geplant und umgesetzt werden.
Einblicke
Einblick 1
Reflexionskompetenz strukturiert Inhalt, Methode und Prüfung
Eine Dozentin formuliert für ihr Seminar zum Thema «Ethik im Gesundheitswesen» drei Learning Outcomes auf Ebene der Urteils- und Reflexionskompetenz. Anhand dieser Ziele wählt sie zentrale Inhalte aus und reduziert das Material auf exemplarische, aber gehaltvolle Fälle. Methodisch setzt sie auf strukturierte Fallanalysen und geleitete Diskussionen, bei denen Studierende die ethischen Prinzipien auf konkrete Entscheidungssituationen anwenden. Zur Förderung der Zielorientierung reflektiert die Lehrperson regelmässig mit der Gruppe, welche Kompetenzen gerade geübt werden.
Einblick 2
Analyseaufgabe als roter Faden durch Inhalt, Methode und Prüfung
In einem Masterseminar zur politischen Urteilsbildung werden eingangs Learning Outcomes präsentiert, die auf Analyse- und Argumentationskompetenz zielen. In der Veranstaltung werden zentrale Theorien exemplarisch vertieft, diskutiert und in Gruppenarbeiten auf Fallbeispiele angewendet. Die Prüfung besteht aus einer schriftlichen Stellungnahme zu einem Fall – genau jenem Format, das auch im Seminar methodisch geübt wurde. Auf dieser Basis werden mit den Studierenden passende Bewertungskriterien für die Prüfung entwickelt (u.a. Argumentationslogik, Begründungstiefe)
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
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| Lehrziele, Inhalte und Prüfungen sind nicht aufeinander abgestimmt. |
Starten Sie mit den Learning Outcomes; prüfen Sie für alle Lehrmethoden sowohl in der Lehre als auch der Prüfung, ob diese eins oder mehrere der Learning Outcomes abdecken.
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| Methodenwahl erfolgt aus Gewohnheit, nicht aus Zielbezug. |
Wählen Sie Lehrmethoden gezielt in Bezug auf die zu fördernde Kompetenz (z. B. Analyse, Urteilsbildung, Anwendung) aus.
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| Prüfungsinhalte decken nicht alle Learning Outcomes ab. |
Planen Sie Prüfungen mit Hilfe eines Prüfungs-Blueprints. Investieren Sie Zeit in die Erstellung qualitativ hochwertiger Prüfungsfragen, welche die Erreichung der Learning Outcomes überprüfen. Fragen Sie sich abschliessend «Ist das eine gute Prüfung?».
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| Die Einschätzung der didaktischen Kohärenz fällt schwer. |
Nutzen Sie das Beratungsangebot des VRL.
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| Studierende erkennen die Zielrichtung der Veranstaltung nicht. |
Kommunizieren Sie Learning Outcomes und Bewertungsgrundlagen transparent zu Beginn und während des Kurses.
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Ressourcen
Literatur
Biggs, J., & Tang, C. (2022). Teaching for Quality Learning at University (5th ed.). McGraw-Hill.
- Kapitel 1: „What is constructive alignment?“ – Einführung in das Konzept der didaktischen Kohärenz und des konstruktiven Abgleichs zwischen Lernzielen, Lehrmethoden und Prüfungen.
- Kapitel 2: „Aligning assessment and teaching for quality learning“ – Vertiefung zur Ausrichtung von Prüfung und Lehre zur Förderung von Lernprozessen.
