Vorlesung
Inputphasen mit Struktur und Überblick
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Eine Vorlesung ist ein darbietendes Lehrformat, in dem eine Lehrperson Wissen vermittelt, meist als Lehrvortrag mit Vortragsfolien vor einem grösseren Plenum. Auch wenn Vorlesungen häufig als passiv kritisiert werden, erfüllen sie wichtige didaktische Funktionen. Sie ordnen ein, was zentral ist und was eher ein Randaspekt bleibt, zeigen auf, welche Theorien heute als anerkannt gelten, und machen sichtbar, was das für die Praxis bedeutet. Wenn Lehrende aus eigener Forschung berichten oder Anekdoten einbauen, entstehen zusätzliche Relevanz und Nähe.
Besonders Konzeptvorlesungen helfen, eine Art „Fachlandkarte“ aufzubauen. Sie strukturieren ein Themengebiet über Begriffe, Modelle und Schlüsselprobleme und unterstützen so den Aufbau tragfähiger, langfristiger Wissensnetze. Eine gut konzipierte Vorlesung geht dabei über das blosse Darbieten hinaus und verbindet klare Struktur, didaktische Reduktion sowie aktivierende Lehrmethoden. Sie bezieht bewusst auch die soziale Dimension mit ein, etwa durch gemeinsame Erfahrungen oder wiederkehrende Rituale, und nutzt die Stärken der Präsenzlehre.
Um die individuelle Nachbereitung zu erleichtern, empfiehlt die Universitätsleitung, gerade bei Vorlesungen Manuskripte oder Lehrbücher digital bereitzustellen. Damit wird die SUB-Motion zur digitalen Bereitstellung von Lehrinhalten umgesetzt. Zunehmend kommen dafür auch unbearbeitete Vorlesungsaufzeichnungen zum Einsatz. So wird die Vorlesung zu einem gut strukturierten Einstieg in ein Themenfeld und zu einer tragfähigen Basis für weiterführendes Lernen.
Einblicke
| Aktivität | Nutzen |
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| In einer Vorlesung zur Wirtschaftsethik beginnt die Dozentin mit einer persönlichen Erfahrung aus einem schwierigen Beratungsgespräch mit einem Industriekunden. Sie schildert den moralischen Zielkonflikt plastisch und stellt am Ende die Frage: «Was hätten Sie in meiner Situation getan?» Erst im Anschluss erfolgt die theoretische Einbettung. | Die persönliche Geschichte schafft Relevanz und Nähe. Sie aktiviert emotional, weckt Neugier und ermöglicht es den Studierenden, sich mit der Problematik zu identifizieren, bevor abstrakte Begriffe eingeführt werden. So entsteht ein sinnvoller Zugang zu einem komplexen Thema. |
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
In einer Einführungsveranstaltung zur Medienpsychologie mit über 200 Teilnehmenden strukturiert der Dozent seine 90-minütige Vorlesung in vier Blöcke von je 15 Minuten Input. Diese werden jeweils durch ein LiveVoting und eine anschliessende Think-Pair-Share-Phase unterbrochen: Die Studierenden nehmen zunächst anonym Stellung zu einer kontroversen Aussage und diskutieren ihre Position anschliessend mit einer Sitznachbar*in. |
Die regelmässige Aktivierung unterbricht die Konzentrationskurve, fördert die Auseinandersetzung mit dem Stoff und bringt auch in grossen Gruppen Interaktion ins Spiel. Die Kombination aus Voting und Kurzdiskussion steigert die Aufmerksamkeit und vertieft das Verständnis durch Perspektivenwechsel. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
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| Geringe Aufmerksamkeit sowie Passivität und reine Rezeptivität seitens der Studierenden. |
Führen Sie ca. alle 20 Minuten aktivierende Lehrmethoden zur Rhythmisierung durch (Sandwich-Prinzip); setzen Sie Impulsfragen oder Fallbeispiele ein, um kognitive Aktivierung zu fördern.
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| Fehlende Interaktion in grossen Gruppen. |
Setzen Sie aktivierende Lehrmethoden ein, die sich für grosse Gruppen eigenen, z.B. Think-Pair-Share; nutzen Sie Online-Tools wie das LiveVoting auf ILIAS oder Mentimeter.
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| Überforderung der Studierenden durch inhaltliche Überfrachtung der Folien und Vorlesungen. |
Nutzen Sie Chatbots, um Inhalte zu strukturieren und zu verdichten, reduzieren Sie Ihre Inhalte auf das Wesentlichste (z.B. Advance Organizer), stellen Sie Skripte zur Orientierung zur Verfügung.
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| Geringe Identifikation mit der Veranstaltung. |
Nutzen Sie emotionale Aktivierung, z.B. durch persönliche Erfahrungen aus Ihrer Praxis, relevante Anekdoten, überraschende Kontexte. |
Ressourcen
Literatur
Ulrich, I. (2020). Gute Lehre in der Hochschule. Springer VS.
- Kapitel 2.7 „Die Vorlesung“ und Kapitel 3.4 „Aktivierende Methoden“: Geben praxisnahe Hinweise, wie klassische Vorlesungsphasen strukturiert, rhythmisiert und durch Aktivierungstechniken angereichert werden können.
