Präsenzlehre
Raum für Dialog, Kooperation und unmittelbare Rückmeldung
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Präsenzlehre bedeutet, dass Lehrende und Lernende zur selben Zeit im selben physischen Lehrraum zusammenkommen – mit dem Ziel, Lernen gemeinsam zu gestalten. Ihre Stärke liegt in der räumlich geteilten Lernsituation: Gemeinsame Aufmerksamkeit, direkte Wahrnehmung nonverbaler Signale sowie spontaner informeller Austausch sind hier besonders intensiv. Empirische Befunde – etwa aus Hatties Studien – unterstreichen, dass Wirkfaktoren wie Feedback, Orientierung, Beziehungsgestaltung und kooperative Lernprozesse das Lernen besonders wirksam unterstützen. Präsenzveranstaltungen ermöglichen genau dies – besonders dann, wenn sie nicht als reiner Input, sondern als interaktive Lernräume gestaltet werden, z.B. mit Hilfe von spielbasiertem Lernen oder kollaborativem Lernen. So kann die physische Präsenz an sich zur didaktischen Kohärenz der Lehrveranstaltung beitragen.
Einblicke
Einblick 1
Methodenseminar mit Lernstationen
In einem Methodenseminar ersetzt die Dozentin einen klassischen Vortrag durch eine Lernstationen-Arbeit mit physischen Materialien (z. B. Instrumente, Modelle, Werkstücke). Studierende erkunden in Kleingruppen eigenständig Inhalte, dokumentieren Erkenntnisse auf analogen Postern und präsentieren diese im Plenum.
Einblick 2
Physisch Position beziehen für Diskussion und Theoriearbeit
In einer Soziologie-Vorlesung startet der Dozent mit provokanten Werbeslogans. Die Studierenden positionieren sich anschliessend entlang einer Skala im Raum – von Zustimmung bis Ablehnung. Ihre Aufstellung macht unterschiedliche Haltungen sichtbar und leitet über zur diskussionsbasierten Erarbeitung theoretischer Konzepte.
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Dominanz von Frontalphasen mit geringer kognitiver Aktivierung |
Kombinieren Sie Impuls- mit Verarbeitungsphasen. |
Geringe Beteiligung oder Zurückhaltung im Plenum
|
Nutzen Sie aktivierende Methoden in Kleingruppen wie Think-Pair-Share oder Buzzgroups, und nutzen Sie bei Bedarf eine generative KI, um Impulsfragen oder Diskussionsanregungen zu entwickeln. |
| Ungeeignete oder unflexible Lehrräume, insbesondere bei innovativen Lehrformaten |
Nutzen Sie zukunftsorientierte Lehrräume und das dazugehörige Beratungsangebot. |
| Potenziale des physischen Lernraums bleiben ungenutzt |
Integrieren Sie bewusst analoge Materialien oder Objekte zum Anfassen und Erkunden (multisensorisches Lernen). |
Ressourcen
Literatur
Hattie, J. (2012). Visible learning for teachers: Maximizing impact on learning. Routledge.
- Kapitel 4 bis 7: Behandeln evidenzbasierte Faktoren wie Klarheit, Feedback und kognitive Aktivierung, die in Präsenzsituationen besonders wirksam sind.
