Kollaboratives Lernen

Gemeinsam zum besseren Verstehen

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Kollaboratives Lernen ist ein bewährtes Lehrszenario, bei dem Lernende gemeinsam an Themen, Aufgaben oder Problemen arbeiten und dabei ein gemeinsames Verständnis sowie ein gemeinsames Ergebnis entwickeln. Es geht über die blosse Koordination einzelner Arbeiten hinaus und zielt auf echte Zusammenarbeit mit Interdependenz: Beiträge der Einzelnen sind notwendig, um ein Gesamtergebnis zu erzielen. Der Fokus liegt auf dem Prozess des gemeinsamen Denkens, Argumentierens, Aushandelns und Entscheidens. Die didaktische Spannweite reicht von punktuellen Methoden in Vorlesungen (z.B. Peer-Instruction, Buzzgroups,Think-Pair-Share) bis hin zu tiefgreifenden, auf Anwendung und Transfer ausgerichteten Prozessen in Workshops oder Projektseminaren, z.B. durch gemeinsame Recherche oder Produktentwicklung.

Kollaboratives Lernen fördert nicht nur Fach- und Methodenkompetenzen, sondern auch kommunikative, soziale und metakognitive Fähigkeiten. Lernende profitieren vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven, sie vertiefen ihr Verständnis durch Erklärungen an andere und entwickeln Problemlösefähigkeiten im Team. 

Einblicke

FALLANALYSE MIT ROLLEN UND FEEDBACK
Aktivität Nutzen

In einem pflegewissenschaftlichen Seminar analysieren Studierende in Kleingruppen einen komplexen Fall zur ethischen Entscheidungsfindung bei Demenzdiagnosen. Die Gruppen arbeiten mit drei klar definierten Rollen: Analyse, Protokoll, Moderation. In einer Folgephase geben sich die Gruppenmitglieder gegenseitig strukturiertes Feedback. 

Die strukturierte Rollenverteilung fördert aktives Mitdenken und gegenseitige Verantwortungsübernahme im Gruppenprozess. Durch das Peer-Feedback wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin reflektiert.
KOLLABORATIVE DENKIMPULSE
Aktivität Nutzen

In einer Bachelor-Vorlesung zur Sozialpsychologie werden Inhalte regelmässig durch Think-Pair-Share-Sequenzen unterbrochen. Die Ergebnisse der kurzen Diskussionen in Zweiergruppen werden über Mentimeter gesammelt und im Plenum sichtbar gemacht. Die Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt für vertiefende Diskussionen. 

Kurze kollaborative Austauschphasen durchbrechen den Vorlesungsfluss, aktivieren das Vorwissen und fördern individuelle Beteiligung. Die anschliessende Diskussion auf Basis der gesammelten Antworten schafft Sichtbarkeit für unterschiedliche Perspektiven und stärkt das gemeinsame Verstehen zentraler Konzepte.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Ungleichgewicht bei der Arbeitsverteilung in Gruppen

Legen Sie Rollen und Verantwortlichkeiten klar fest; wählen Sie Aufgaben mit echter Interdependenz – z.B. Gruppenpuzzle, geteilte Produkterstellung; arbeiten Sie mit Peer-Feedback.

 

Überforderung in grossen Lehrformaten (z.B. Vorlesung)

 

 

Integrieren Sie Mikroformate wie Think-Pair-Share oder Voting-Diskussionen (z.B. via ILIAS oder Mentimeter) als kollaborative Verarbeitungssequenzen

 

Ressourcen

Barkley, E. F., Major, C. H., & Cross, K. P. (2014). Collaborative learning techniques: A handbook for college faculty. John Wiley & Sons.

  • Part Three mit Chapter 9 “Techniques for Discussion” und Chapter 14 “Techniques Using Games”: Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen inkl. Varianten/Fehlerquellen.