Lehrvortrag

Gezielt erklären statt nur reden

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Der Lehrvortrag zählt zu den klassischen Formen der Inhaltsvermittlung und wird vor allem in input-orientierten Lehrphasen, insbesondere in Vorlesungen, verwendet. Im Zentrum steht dabei die mündliche Präsentation von Inhalten. Das gesprochene Wort ist das Hauptmedium der Vermittlung, häufig visuell unterstützt durch Vortragsfolien. Lehrvorträge eignen sich besonders zur Einführung in neue Themen, zur Darstellung komplexer Zusammenhänge oder zur Verdeutlichung zentraler Argumentationslinien.

Didaktisch sinnvoll wird der Lehrvortrag, wenn er verstehens- und lernförderlich gestaltet ist. Rhetorische Mittel wie eine klare Gliederung, bewusste Pausen und anschauliche Sprache helfen, Aufmerksamkeit zu halten und Verstehen zu fördern. Durch lebendig erzählte Beispiele und Geschichten werden Inhalte nachvollziehbar und mit bereits Bekanntem in Verbindung gebracht. Kurze Unterbrechungen durch Rückfragen oder kleine Aufgaben können helfen, die Aufmerksamkeit zu erhalten und ermöglichen die Verarbeitung von Inhalten.

Einblicke

DURCH ANKÜNDIGUNG ORIENTIERUNG GEBEN
Aktivität Nutzen

In einer Statistikvorlesung eröffnet der Dozent seinen Vortrag mit einer klaren Ankündigung: «Heute geht es um drei Einflussfaktoren bei Regressionsmodellen.» Er benennt sie direkt, kommentiert ihre Bedeutung und visualisiert sie in einem Advance Organizer: Bevor er zur Theorie übergeht, stellt er eine aktivierende Frage zum ersten Einflussfaktor. Die Studierenden antworten anonym über Mentimeter. Die gesammelten Begriffe erscheinen als Wordcloud. Der Dozent greift typische Nennungen auf, ordnet sie in die fachliche Perspektive ein und leitet so zu den Lehrinhalten über.

Eine klare mündliche Ankündigung schafft Erwartungssicherheit und strukturiert das Zuhören. Die Visualisierung durch einen Advance Organizer unterstützt das Verstehen, indem sie zentrale Begriffe hervorhebt und in einen nachvollziehbaren Zusammenhang stellt. Die überleitende Frage aktiviert das Vorwissen der Studierenden und lenkt die Aufmerksamkeit auf den ersten inhaltlichen Schwerpunkt.

IN ETAPPEN VORTRAGEN UND VERANKERN
Aktivität Nutzen

In der Biologievorlesung zur Zellteilung strukturiert die Professorin ihren Vortrag in sinnvolle Abschnitte: Nach jeweils rund 15 Minuten Input kündigt sie eine kurze Denkphase an, die das Verarbeiten von Lehrinhalten ermöglicht, indem die Studierenden das Gehörte in Einzel- oder Tandemarbeit mit Beispielen verknüpfen. Danach greift sie typische Überlegungen auf, knüpft daran an und führt so den Vortrag weiter. Am Ende fasst die Professorin die zentralen Inhalte mündlich zusammen und formuliert explizit, was die Studierenden nun können sollen – passend zu den für die Vorlesung formulierten Learning Outcomes.

Durch sprechend gesetzte Übergänge und Zusammenfassungen wird der Vortrag strukturiert. Die Verarbeitungssequenz unterbricht das Zuhören sinnvoll, markiert einen Abschnittswechsel und bereitet den Boden für den nächsten Teil. Die explizite Benennung von Kompetenzerwartungen verleiht dem Gesagten Gewicht und klärt den Zweck des Zuhörens.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Monolog ohne Bezug zum Publikum führt zu Passivem zuhören ohne Verarbeitung.

Planen Sie ca. alle 15 Minuten kurze Pausen ein, die das Verarbeiten von Lehrinhalten ermöglichen (Sandwich-Prinzip). Stellen Sie Fragen, um Rückmeldungen einzuholen und Interesse zu wecken.

 

Kognitive Überforderung der Studierenden

 
Nutzen Sie Wiederholungen, Analogien oder Beispiele, um zentrale Punkte verständlich und eingängig zu machen.

Studierende verlieren beim Zuhören den Überblick, weil der Aufbau des Vortrags nicht erkennbar ist.

Leiten Sie Abschnitte sprechend ein und aus, z.B. mit klar formulierten Übergängen und Zwischenfazits. Unterstützen Sie die Orientierung zusätzlich mit einer Visualisierung des Aufbaus, z.B. durch einen Advance Organizer oder eine Concept Map. Kommunizieren Sie vorab die Learning Outcomes und nehmen sie darauf während oder am Ende des Vortrags Bezug.

Ressourcen

Lovett, M. (2023). How learning works : eight research-based principles for smart teaching (Second edition.). John Wiley & Sons, Inc.

  • „How Does Students’ Prior Knowledge Affect Their Learning?“ und „What Factors Motivate Students to Learn?“: begründen Einstiegs-/Anknüpfungsstrategien und motivationale Klarheit für Vortragsphasen.