Vorwissen aktivieren

Bekanntes aktivieren, Neues verknüpfen

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Das Vorwissen der Lernenden beeinflusst massgeblich, wie neue Inhalte aufgenommen, verstanden und im Gedächtnis verankert werden. Studierende bringen dabei unterschiedliche Begriffe, Erfahrungen und Denkweisen mit – ihr Vorwissen ist also nicht nur zentral für den Lernprozess, sondern zugleich individuell verschieden. Studierende, die bereits thematische Anknüpfungspunkte mitbringen, können neue Informationen besser einordnen, bewerten und mit bestehendem Wissen verknüpfen. Vorwissen zu aktivieren, bedeutet deshalb mehr als nur inhaltliche Wiederholung: Es geht darum, dass sich Studierende ihre vorhandenen Wissensbestände ins Bewusstsein rufen, um daran anknüpfen zu können. Gleichzeitig erhalten Lehrende Einblick in die Vorerfahrungen der Gruppe und können identifizieren, welche Missverständnisse bestehen und fachliche Heterogenität gezielt adressieren.

Die Methoden reichen von einfachen, niederschwelligen Einstiegen wie Wortabfragen oder digitalen Votings (z.B. mit ILIAS oder Mentimeter) über strukturiertere Formate wie Concept Maps bis hin zu Quizzes oder kurzen schriftlichen Aufgaben mit Feedback. Während einfache Aktivierungsformen meist informell bleiben, nehmen strukturiertere Formate zunehmend den Charakter einer lernbegleitenden Überprüfung an – ohne Benotung, aber mit dem Ziel der individuellen Lernsteuerung (formative Prüfung). Beide Komponenten - die Aktivierung des Vorwissens und formative Rückmeldeschleifen - schaffen ein Lernumfeld, das an vorhandene Kompetenzen anschliesst und neue Inhalte sinnvoll integriert. Dafür stehen unterschiedliche methodische Zugänge zur Verfügung, die individuell kombiniert und an die jeweilige Lehrsituation angepasst werden können.

Welche Methode passt zu Ihrem Vorhaben?

Über die Auswahl „Zweck“ lassen sich die Methoden nach "Vorwissen aktivieren" filtern. Wenn Sie auf eine Methode klicken, öffnet sich eine Detailseite mit weiteren Informationen zur Methode.

Methode Zweck Modalität Sozialform Aufwand

Einblicke

THEMENZUGANG ÜBER GETEILTE VORSTELLUNGEN
Aktivität Nutzen

In einem Seminar zur Ethik startet die Sitzung mit einem Think-Pair-Share. Die Studierenden notieren zunächst individuell ihre spontanen Assoziationen zum Begriff «Gerechtigkeit». Anschliessend diskutieren sie diese in Zweiergruppen und bringen ausgewählte Gedanken ins Plenum ein. Die Professorin greift die Beiträge auf, strukturiert sie gemeinsam mit der Gruppe und nutzt zentrale Begriffe als Ausgangspunkt für die thematische Vertiefung.

So wird deutlich, woran angeknüpft werden kann, und die Vielfalt der Vorstellungen wird produktiv in den gemeinsamen Lernprozess eingebunden.
INHALTE AM WISSENSSTAND AUSRICHTEN
Aktivität Nutzen

In einem Grundlagenkurs der Wirtschaftsdidaktik wird zu Beginn ein digitaler Vorwissenstest auf ILIAS durchgeführt. Die Studierenden bearbeiten fünf kurze Fragen zu betriebswirtschaftlichen Grundbegriffen und erhalten Feedback zu ihren Antworten. Die Ergebnisse stehen der Lehrperson direkt zur Verfügung und fliessen unmittelbar in die Ausgestaltung des weiteren Unterrichts ein. 

Die Massnahme schafft Transparenz über den Wissensstand und ermöglicht eine passgenaue Ausrichtung der Lehrinhalte.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Aktivierende Methoden benötigen Zeit in der Veranstaltung.

Auch kurze Aktivierungsphasen, die wenig Aufwand erfordern (z. B. Voting), können viel bewirken.

Formative Prüfungen wirken für Studierende oft wie benotete Tests.

 

 

Erklären Sie den Zweck klar: Es geht um Orientierung, nicht Bewertung.

Nicht alle Studierenden bringen sich aktiv ein.

Nutzen Sie niederschwellige, vertraute Formate wie kleine Gesprächsaufträge oder Quizzes mit Live-Feedback, die ohne Blamage funktionieren.

 

Nicht jede Methode passt zu jedem Ziel oder Thema und die Auswahl fällt schwer.

Wählen Sie Methoden nach Funktion und Ziel: z.B. Concept Maps zur Strukturierung, Quizzes zur Standortbestimmung; nutzen Sie das Beratungsangebot des VRL.

 

Ressourcen

Mandl, H., & Friedrich, H. F. (Eds.). (2005). Handbuch Lernstrategien. Hogrefe Verlag GmbH & Company KG.

  • Beitrag „Vorwissen aktivieren“ (S. 38–49): konkrete Strategien (z. B. Advance Organizer, Concept Maps) zur Erhebung/Anknüpfung von Vorwissen in Veranstaltungen.