Vortragsfolien
Mit Folien lenken statt ablenken
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Folien begleiten und strukturieren die gesprochenen Inhalte eines Lehrvortrags. Ihr Hauptzweck besteht nicht in der Informationsfülle, sondern in der gezielten Unterstützung des Verstehens. Sie geben Orientierung, zeigen Zusammenhänge und reduzieren Komplexität durch visuelle Mittel. Damit können Studierende die Informationen leichter verarbeiten, einordnen und behalten. Das gelingt durch klare Layouts mit gut lesbarer Schrift, gezielt eingesetzten Farben, sinnvollen Abständen, einfachen, unterstützenden Grafiken, Symbolen und Animationen als strukturierende Elemente. Gut gestaltete Folien machen zentrale Aussagen sichtbar und vermeiden Ablenkung durch unwesentliche Inhalte. Auf diese Weise entsteht eine visuelle Ordnung, die das Verstehen erleichtert. Wichtig ist, dass Folien nicht für sich sprechen, sondern mit dem Vortrag zusammenspielen: Folien visualisieren, was die Lehrperson erklärt – sie ersetzen weder Erklärung noch Interaktion, sondern strukturieren das gesprochene Wort.
Einblicke
Einblick 1
Blickführung durch schrittweise Visualisierung
In einer Statistikvorlesung wird ein komplexes Regressionsmodell eingeführt. Die begleitende Folie zeigt ein Diagramm, das schrittweise aufgebaut wird: Die Regressionsgerade, Datenpunkte und erklärende Variablen werden nacheinander eingeblendet. Pfeile und Hervorhebungen lenken die Aufmerksamkeit der Studierenden auf die jeweils relevanten Bereiche, die parallel mündlich erklärt werden.
Einblick 2
Verständnissicherung durch interaktive Folien
In einer Biologievorlesung zur Zellteilung werden die einzelnen Phasen mithilfe animierter Folien visualisiert. Nach der Darstellung der ersten beiden Phasen folgt eine interaktive Mentimeter-Folie mit einer Single-Choice-Frage zur Verständnisprüfung. Die Studierenden stimmen ab. Das Ergebnis wird live auf der Folie angezeigt. Die Professorin greift das Resultat direkt auf und korrigiert Fehlvorstellungen.
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Zu viele Inhalte auf einer Folie überfordern die Studierenden. |
Beschränken Sie sich auf eine Kernaussage pro Folie, vermeiden Sie Fliesstext und nutzen Sie Visualisierungen. Lassen Sie die Inhalte bei Bedarf durch einen Chatbot auf Verständlichkeit und Klarheit prüfen. |
| Folien werden wortwörtlich vorgelesen. Erläutern Sie Ihre Folien frei. |
Ergänzen Sie Inhalte mündlich statt Folientexte zu wiederholen. |
| Studierende haben keine Orientierung über Folieninhalte. |
Lenken Sie mit visuellen Hinweisen (z. B. Pfeile, Farben) gezielt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche (Signaling-Prinzip). Reduzieren Sie die Folieninhalte. |
| Verwendung unpassender oder dekorativer Bilder. |
Setzen Sie nur erklärende Bilder oder Diagramme ein, die den Inhalt sinnvoll ergänzen. Nutzen Sie Chatbots, um Bildideen zu prüfen oder passende Visualisierungen zu entwickeln. |
| Passivität der Studierenden während der Präsentation. |
Aktivieren Sie Studierende durch Fragen, kurze Aufgaben oder interaktive Tools wie Mentimeter in Ihren Folien.
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Ressourcen
Literatur
Mayer, R. E. (2021). Multimedia Learning (3rd ed.). Cambridge University Press.
- Kapitel/Prinzipien Coherence, Signaling, Redundancy, Spatial & Temporal Contiguity: konkrete Gestaltungsregeln für Folien (Inhaltsreduktion, Blicklenkung, Doppelung vermeiden).
