Taxonomiestufen

Kompetenzentwicklung planen, überprüfen und beurteilen

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Taxonomiestufen sind Modelle zur systematischen Einordnung von Learning Outcomes und Prüfungsfragen nach dem Grad der kognitiven Komplexität. Der bekannteste Ansatz ist die Taxonomie nach Bloom, in einer überarbeiteten Version nach Anderson und Krathwohl. Dieses Modell unterscheidet sechs aufeinander aufbauende Stufen: 

  • Erinnern: Wissen reproduzieren können
  • Verstehen: Wissen erläutern können
  • Anwenden: Wissen anwenden können
  • Analysieren: Zusammenhänge analysieren können
  • Evaluieren: einen Sachverhalt anhand von Kriterien bewerten können
  • Erschaffen: Elemente zu einem neuen Ganzen verbinden

Jede Stufe beschreibt eine spezifische Denk- und Handlungsleistung – von der reinen Reproduktion bis zur kreativen Entwicklung neuer Konzepte. In der Hochschullehre dienen Taxonomiestufen dazu, Learning Outcomes präzise zu formulieren und mit geeigneten Lehrmethoden und Prüfungsformen abzustimmen (Didaktische Kohärenz). Gleichzeitig helfen Taxonomien dabei, Prüfungsfragen transparent und differenziert zu gestalten, indem sie das geforderte Niveau klar benennen – etwa ob ein Sachverhalt verstanden oder kritisch analysiert werden soll. 

Einblicke

Einblick 1

Verstehen durch Begriffsarbeit

In einer Methodenvorlesung wird das Learning Outcome «Studierende können zentrale Begriffe der Grounded Theory erläutern» mit Gruppenarbeiten zu Definitionen und Beispielen erreicht. Die Studierenden dokumentieren die erarbeiteten Begriffe in einem Glossar auf ILIAS, wo sie zur Wiederholung bereitstehen.

Einblick 2

Erschaffen durch Forschungsdesign

In einem Masterseminar lautet ein Learning Outcome «Studierende können ein eigenständiges Projektdesign entwickeln, das zu einer konkreten Fragestellung im eigenen Fachgebiet passt.». Die Studierenden erarbeiten das Forschungsdesign im Rahmen eines schriftlichen Exposés. Dieses wird anschliessend im Abschlusskolloquium mündlich präsentiert.

 

Stolperfrei durchstarten

 
Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?

Alle Learning Outcomes oder Prüfungsfragen sprechen die gleiche Taxonomiestufe an.

 

Planen Sie Inhalte auf unterschiedlichen Niveaus, um breitere kognitive Kompetenzen zu fördern oder zu prüfen (vgl. Inhaltliche Prüfungsplanung).

 

Taxonomiestufen sind z.T. schwer voneinander abzugrenzen, respektive es ergeben sich Zwischenstufen. 

 
Klären Sie im Vier-Augen-Prinzip mit Kolleg*innen, was z. B. «Analysieren» und «Evaluieren» in Ihrer Fachdisziplin bedeuten, oder nutzen Sie alternativ einen Chatbot, um Begriffe, Beispiele und Abgrenzungen zu prüfen. 

Gleichförmige Lernaktivitäten trotz unterschiedlicher Taxonomiestufen in den Learning Outcomes.

Variieren Sie Lehrmethoden entlang der verschiedenen Taxonomiestufen.

 

Ressourcen

Anderson, L. W., & Krathwohl, D. R. (Eds.). (2009). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing: A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. Longman.

  • Kapitel 2: „A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing“ – Einführung in die überarbeitete Version der Bloom’schen Taxonomie.
  • Kapitel 4: „The Cognitive Domain“ – Detaillierte Beschreibung der einzelnen kognitiven Stufen: von Erinnern bis Erschaffen.
  • Kapitel 5: „Applying the Taxonomy“ – Anwendungsbeispiele zur Planung von Lernzielen, Unterricht und Prüfungen basierend auf den Taxonomiestufen.

Centre for teaching Excellence (2006). Bloom’s Taxonomy: Cognitive Domain