Referateseminar / Theorieseminar 

Format für geteilte Verantwortung

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Referatsseminare und Theorieseminare sind Lehrformate, in denen Studierende aktiv an der Gestaltung der Sitzungen beteiligt sind. Sie zeichnen sich durch intensive Arbeit mit wissenschaftlich Texten und Fachinhalten aus, und übergeben den Studierenden Verantwortung für einen fachlich strukturierten Beitrag zum gemeinsamen Lernprozess. Die Lehrperson schafft dabei einen Rahmen, in dem Beiträge vorbereitet, präsentiert und diskutiert werden können. 

Im Referateseminar erarbeiten die Studierenden einzeln oder in Gruppen ein Thema, stellen es als Präsentation im Plenum vor und lassen es diskutieren. Ziel ist es, die Präsentationskompetenz, die Fähigkeit zur inhaltlichen Strukturierung sowie die Diskussions- und Feedbackkompetenz zu fördern. Im Theorieseminar steht zusätzlich die vertiefte Auseinandersetzung mit fachlichen Konzepten im Zentrum. Beide Formate lassen sich auch für kollaboratives Lernen, problemorientiertes Lernen und spielbasiertes Lernen nutzen. 

Richtig umgesetzt, bieten Referats- und Theorieseminare vielfältige Lerngelegenheiten: Studierende übernehmen Verantwortung, üben sich in Strukturierung, Argumentation und kollegialem Feedback. Sie schulen sowohl fachliches als auch metakognitives Wissen. Damit dies gelingt, braucht es klare Rahmenbedingungen, eine aktiv gestaltete Rolle der Lehrperson und passende Aufgabenstellungen, die Theoriearbeit und Diskussion integrieren. 

Einblicke

REFERAT VORBEREITEN UND REFLEKTIEREN
Aktivität Nutzen

Eine Dozentin vereinbart für jedes Referat einen Termin mit den Studierenden, in dem Thema, Zielsetzung und Grundliteratur besprochen werden. Während der Präsentation erhalten die Zuhörenden gezielte Beobachtungsaufträge. Im Anschluss erfolgt eine moderierte Diskussion mit strukturiertem Peer-Feedback anhand eines Bewertungsrasters (siehe Leistungsbewertung). 

Die Vorbesprechung schafft Klarheit und Orientierung für die Referierenden. Beobachtungsaufträge und Feedbackraster fördern die aktive Beteiligung und die Qualität der Rückmeldung. 
REFERAT VORBEREITEN UND REFLEKTIEREN
Aktivität Nutzen

In einem Theorieseminar arbeiten Studierende an einem komplexen wissenschaftlichen Text. Sie bereiten in Kleingruppen kurze, theoriebezogene Impulse mit klaren Leitfragen vor. Die Lehrperson moderiert und strukturiert die Diskussion im Anschluss, und stellt sicher, dass zentrale Begriffe und Denklinien geklärt und in grössere fachliche Zusammenhänge eingeordnet werden. 

Durch die strukturierte Gruppenarbeit und gezielte Leitfragen setzen sich die Studierenden aktiv mit schwierigen Theorien auseinander. Die Diskussion im Plenum dient dem gemeinsamen Verständnisaufbau. Die Moderation durch die Lehrperson sichert die inhaltliche Tiefe und stärkt die Fähigkeit, komplexe Konzepte einzuordnen.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Fehlendes Vorwissen seitens Studierender

Informieren Sie die Studierenden, welches Vorwissen Sie erwarten. Stellen Sie Literatur zur Verfügung, die allfällige Vorwissenslücken schliessen.

Unsicherheit seitens Studierender bei der Themenwahl und -aufbereitung 
Planen Sie Vorbesprechungen zur Klärung von Themen, Zielsetzung und zentraler Literatur.

Dominanz reiner Inhaltsreproduktion ohne Reflexion oder Theoriebezug bei den Studierenden

Stellen Sie Leitfragen und Anforderungen für Theoriebezug und Reflexion zur Verfügung. 

Geringe Aktivierung der Zuhörenden während der Referate

Weisen Sie dem Plenum Beobachtungs- und Diskussionsaufträge zu. 

Tendenz zur Passivität auf Seiten der Lehrperson

Moderieren Sie aktiv, greifen Sie auf und fassen Sie zentrale Aspekte zusammen.

Mangel an konstruktivem, strukturiertem Feedback und Risiko der subjektiven Leistungsbewertung auf Seiten der Lehrperson

Erstellen und nutzen Sie ein transparentes Bewertungsraster und Bewertungsschema (siehe Leistungsbewertung) für Feedback und Bewertung.

 

Ressourcen

Ulrich , I. (2020). Gute Lehre in der Hochschule. Springer VS.

  • Kapitel 4.3 „Seminar“: Enthält konkrete Empfehlungen zur Gestaltung von Referats- und Theorieseminaren, insbesondere zur Rollenklärung von Lehrperson und Studierenden sowie zu Aktivierungs- und Feedbackmethoden.