Offene Frage

Antworten in eigenen Worten ausdrücken

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Offene Fragen (auch «Kurzantwortfragen» oder «Freitextfragen») fordern von Studierenden eine eigenständige Antwort ohne vorgegebene Auswahlmöglichkeiten. Die Antwort kann je nach Ziel und Kontext von wenigen Stichworten bis hin zu komplexeren Texten reichen und kann sowohl mündlich als auch schriftlich gegeben werden. Besonders geeignet ist der Fragetyp für höhere kognitive Anforderungen: Studierende können Analysen formulieren, Standpunkte beurteilen oder eigene Lösungsansätze entwickeln (Taxonomiestufen «Analysieren», «Beurteilen», «Erschaffen»). Damit lassen sich Denkprozesse und Argumentationen differenziert sichtbar machen – ein klarer Vorteil gegenüber geschlossenen Fragetypen. Da die Auswertung manuell erfolgt, sind eine präzise Aufgabenformulierung (vgl. Formulierungsregeln) und ein transparenter Erwartungshorizont zentral (vgl. Leistungsbewertung). Offene Fragen lassen sich analog und digital (z.B. ILIAS, iliasEXAM, evaexam) umsetzen.

Einblicke

Einblick 1

Analyse historischer Positionen

Im Kurs «Philosophie der Antike» sollen Studierende antike Argumentationsweisen nachvollziehen und kritisch einordnen können. In der Prüfung erhalten sie einen Originaltextausschnitt von Platon sowie eine kurze Gegenposition von Aristoteles. Ziel ist die kognitive Leistung «Verstehen» und «Analysieren».

Einblick 2

Bewegungsanalyse im Spielkontext

Im Sportstudium erwerben Studierende die Kompetenz zum Beobachten und Einschätzen von Bewegungsabläufen. Um diese Kompetenz zu prüfen, wird ein authentisches Videobeispiel eingesetzt. Die Studierenden beobachten im Video eine Spielsituation und erläutern die gewählte technische Handlungsoption eines Spielers. Die Aufgabe zielt darauf ab, zentrale Bewegungsmerkmale und deren Funktion im Spielkontext zu erkennen und zu erklären. Da nur 13 Studierende an der Prüfung teilnehmen und sich damit der Korrekturaufwand in machbaren Grenzen hält, wird eine offene Frage eingesetzt. Die Formulierung ist eindeutig und auf das Learning Outcome abgestimmt. 

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?

Erhöhter Korrekturaufwand.


Planen Sie bei grossen Gruppen ausreichend Zeit ein und erstellen Sie eindeutige Bewertungsraster. Lassen Sie Fragen digital beantworten, z.B. mit iliasEXAM – so entfällt das Problem der Lesbarkeit.

 

Uneinheitliche Antworten erschweren faire Bewertung.


Verwenden Sie ein eindeutig definiertes Bewertungsraster (vgl. Leistungsbewertung) und kommunizieren Sie dieses vorab.

 

Gefahr von zu offenen oder zu diffusen Fragen.


Geben Sie eine präzise Arbeitsanweisung, ggf. mit verständlichen Teilaufgaben oder Textvorgaben.

Hoher Aufwand für Plagiatsprüfung.

Verwenden Sie kontextuelle oder individualisierte Fragestellungen. Nutzen Sie eine Plagiatserkennungssoftware (Turnitin).

 

Alternative Fragetypen

Long Menu (Textfeld)

Erfordert die Eingabe eines Begriffs oder Satzes. Fokussiert auf sehr kurze Antworten.

Datei Upload

Fordert eine eigenständig formulierte Antwort ohne Auswahlmöglichkeiten. Fokussiert auf umfassendere Leistungen.

 

 

Ressourcen

Anderson, L. W., & Krathwohl, D. R. (2001). A taxonomy for learning, teaching, and assessing. Longman.

ZHAW Teaching Guide