Schreibprozesse begleiten

Prozessorientierte Betreuung von wissenschaftlichen Arbeiten

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Schreiben ist kein Einzelakt, sondern ein Denkprozess über Zeit – oft unsicher, oft schleppend, aber zentral für wissenschaftliches Arbeiten. Deshalb zielt gute Betreuung nicht nur auf fertige Texte, sondern auf den Weg dorthin ab. Schreibbegleitung bedeutet, die Lernenden darin zu unterstützen, Schreibhandlungen zu planen, durchzuführen und kritisch zu reflektieren. Um dem gerecht zu werden, sind drei Prinzipien zentral:

  1. Schreiben ist keine lineare Abfolge, sondern ein iterativer Prozess. Eine gute Betreuung nimmt Rücksicht auf Schleifen, Blockaden und die jeweilige Schreibbiografie der Studierenden.
  2. Durch gezielte Fragen, Feedbackraster oder Schreibgespräche (z. B. nach dem Prinzip der minimalen Hilfe) wird selbstgesteuertes Problemlösen gefördert, statt Lösungen vorzugeben.
  3. Nicht jedes Problem ist gleich. Gute Betreuung unterscheidet zwischen «higher order concerns» (z. B. Argumentation, Aufbau) und «lower order concerns» (z. B. Sprachkorrektheit) und adressiert sie in der passenden Tiefe.

Dazu gehört auch, typische Stolperfallen wie Zeitmanagement, Plagiatsrisiken oder die Überforderung durch unklare Anforderungen früh zu thematisieren – etwa mit Checklisten, oder kurzen Schreibcoachings. Wichtige Impulse kommen auch aus der Peergroup: In Peer-Feedback-Runden oder Kolloquien werden Zwischenschritte sichtbar gemacht – ein wesentlicher Beitrag zur Textentwicklung. 

Ziel der Schreibbetreuung ist nicht, «richtige» Lösungen vorzugeben, sondern das Denken und Entscheiden im Schreibprozess zu stärken. Didaktisch gesehen bedeutet das: Begleiten statt bewerten, beraten statt bevormunden. So wird wissenschaftliches Schreiben zu einer lernbaren Praxis, nicht zu einer Einzelprüfung.

Welche Methode passt zu Ihrem Vorhaben?

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Methode Zweck Modalität Sozialform Aufwand

Einblicke

DISPOSITION ALS GESPRÄCHSGRUNDLAGE
Aktivität Nutzen

In einem betreuten Schreibprojekt reichen Studierende vier Wochen vor dem eigentlichen Schreibbeginn eine Disposition mit grobem Aufbau, Kernthese und erster Quellenbasis ein. Diese dient als Grundlage für ein strukturiertes Schreibgespräch nach dem GROW-Modell. Dabei wird gemeinsam der aktuelle Stand reflektiert und ein realistischer Zeitplan abgeleitet.

Das Gespräch fördert Klarheit über den eigenen Argumentationsweg, macht Schwächen früh sichtbar und stärkt die Verbindlichkeit durch einen gemeinsam entwickelten Zeitplan.
PEER-FEEDBACK ZU ARGUMENTATION UND AUFBAU
Aktivität Nutzen

In einem Proseminar zum wissenschaftlichen Schreiben lesen sich die Studierenden gegenseitig ihre Hauptkapitel durch und geben einander Rückmeldung mithilfe eines einfachen Feedbackrasters. Der Fokus liegt auf Verständlichkeit, Logik und Argumentationsführung – nicht auf sprachlichen Fehlern.

Die Studierenden lernen, zwischen inhaltlicher und formaler Textqualität zu unterscheiden und entwickeln ein besseres Verständnis für die Anforderungen an wissenschaftliches Schreiben.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Studierende warten mit dem Schreiben bis kurz vor Abgabe.

Etablieren Sie verbindliche Zwischenabgaben mit Feedback.

Rückmeldungen beziehen sich nur auf Sprache oder Form, nicht auf Argumentation.

 

Nutzen Sie Feedbackraster, die zwischen Form, Struktur und Inhalt differenzieren (vgl. Leistungsbewertung).

 

Studierende übernehmen Inhalte unbewusst zu nah am Originaltext (versehentliches Plagiat).

 

Nutzen Sie Plagiatserkennungssoftware (Turnitin) nicht nur zur Kontrolle, sondern als Lernanlass.

 

Betreuungsgespräche kreisen um organisatorische Fragen, nicht um Schreibstrategien.

Strukturieren Sie Gespräche mit dem GROW-Modell (Ziel – Stand – Optionen – Wille).

 

Ressourcen

Hirsch-Weber & S. Scherer (2016.). Wissenschaftliches Schreiben in Natur- und Technikwissenschaften. Springer Fachmedien Wiesbaden

  • Kapitel 2: Kruse, O. (2016). Wissenschaftliches Schreiben forschungsorientiert unterrichten (S. 29.53): Verknüpft Schreiben mit forschungsorientierten Lernsettings und liefert phasenbasiertes Scaffolding (Zwischenprodukte, Peer-Feedback, Kriterien) für die Begleitung von Schreibprozessen.