Reflexion unterstützen

Raum für Unsicherheit und Orientierung

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Reflexive Unterstützung meint eine dialogische Begleitung wissenschaftlicher Entwicklungsprozesse. Wer Studierende dabei ernsthaft unterstützt, bietet mehr als technische Hinweise oder formale Rückmeldungen: Es geht um das Schaffen von Denk- und Gesprächsräumen, in denen Unsicherheiten, Entscheidungsfragen und wissenschaftliche Verantwortung thematisiert werden dürfen. Formate wie Dispositionen und Kolloquien eröffnen solche Räume. Im Austausch mit Peers und Lehrpersonen entstehen Einsichten in Alternativen, blinde Flecken oder argumentative Schwächen. So fördert dialogischer Austausch nicht nur fachliches Verständnis, sondern auch Selbstreflexion und kommunikative Sicherheit.

Ein weiterer Aspekt reflexiver Unterstützung ist der bewusste Umgang mit wissenschaftlicher Integrität. Anstatt allein auf Kontrollmechanismen zu setzen, sollten Lehrpersonen integritätsrelevante Fragen frühzeitig thematisieren: Was ist ein Zitat? Wo beginnt Eigenleistung? Wie entsteht Vertrauen in die eigene Argumentation? Solche Gespräche fördern Orientierung, Verantwortung – und letztlich eine Haltung, die über die einzelne Arbeit hinausreicht.

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Methode Zweck Modalität Sozialform Aufwand

 

Einblicke

REFLEXIONSNOTIZEN ALS ENTWICKLUNGSWERKZEUG
Aktivität Nutzen

In einem Projektseminar verfassen Studierende regelmässig kurze Reflexionsnotizen zu ihrem Arbeitsstand: Wo bin ich unsicher? Welche Entscheidungen habe ich getroffen und warum? Ausgewählte Protokolle werden in der Gruppe entlang von Leitfragen zur Problemstellung, zur Entscheidungslogik und zu den nächsten Schritten besprochen.

Die Notizen dienen als Grundlage für Gruppengespräche und machen Entwicklung über die Zeit sichtbar. Die gemeinsame Reflexion macht unterschiedliche Denkwege sichtbar und schärft das Problembewusstsein.
DENKWERKSTATT FÜR FORSCHUNGSPROBLEME
Aktivität Nutzen

In einer Masterveranstaltung ist das Kolloquium nicht auf Präsentationen begrenzt: Studierende bringen konkrete Probleme mit, z.B. zur Struktur, zur Textlogik oder zur Methodenauswahl. Das Plenum reagiert mit Rückfragen, Perspektivwechseln und Beispielen. Die Lehrperson moderiert, greift aber nur punktuell ein. 

Dieses Format verlagert den Fokus vom fertigen Produkt hin zum Lernprozess. Durch Fragen, Rückmeldungen und Perspektivwechsel lernen alle Beteiligten, eigene Forschung aktiv zu reflektieren.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Studierende erwarten vor allem klare Anleitungen statt offener Reflexionsräume.

Erklären Sie den Mehrwert von Reflexion und machen Sie transparent, dass Unsicherheit Teil wissenschaftlicher Arbeit ist. Geben Sie strukturierte, aber offene Leitfragen statt fester Antworten.

Dialogische Gespräche geraten leicht zu einseitigen Beratungssituationen.

Nutzen Sie Gesprächsmodelle wie GROW, um Studierende aktiv in die Reflexion einzubinden. Arbeiten Sie mit wechselseitigem Fragen statt mit Bewertungen.

 

Zeitdruck erschwert vertiefte Reflexionsphasen.

Integrieren Sie kurze, aber regelmässige Reflexionsanlässe (z. B. Zwischenfeedbacks, Reflexionsrunde), damit Reflexion Teil des Prozesses wird, nicht Zusatzaufgabe.

 

Ressourcen

Whitmore, J., & Tschepp, C. (2015). Coaching for performance: Potenziale erkennen und Ziele erreichen (F. Moldenhauer, Übers.). Junfermann Verlag.

  • Das GROW-Modell (Goal–Reality–Options–Will): strukturierte Leitfragen für Beratungs-/Kolloquiumsgespräche, die Verantwortung und Selbststeuerung stärken.