Lehrveranstaltungs- bzw. Sitzungsprotokoll
Verstehen durch Zuhören und Dokumentieren
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Beim Protokollieren halten Studierende schriftlich fest, was sie in einer Lehrveranstaltung verstanden, diskutiert oder als relevant erkannt haben. Im Unterschied zum klassischen Protokoll, bei dem eine Person für alle Beteiligten Notizen erstellt, übernehmen beim Lehrveranstaltungsprotokoll alle aktiv die Verantwortung für das Mitschreiben – analog oder digital.
Je nach Einsatz kann es der Verarbeitung, der formativen Rückmeldung oder sogar als Leistungsnachweis dienen.
Aufwand: niedrig bis mittel
VORBEREITUNG: klare Vorgaben, Muster, Kriterien
NACHBEREITUNG: Sichtung, ggf. Feedback und/oder Bewertung
Einblicke
Verarbeiten von Lehrinhalten
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Während eines Seminars oder einer Vorlesung verfassen Studierende individuelle Protokolle, in denen sie Inhalte strukturieren, zentrale Aussagen festhalten und eigene Verständnisnotizen ergänzen. | Die Methode fördert aktives Zuhören und unterstützt die strukturierte, individuelle Aneignung von Lerninhalten. Sie verbessert die Merkfähigkeit, schärft das Bewusstsein für zentrale Punkte und erleichtert das spätere Wiederholen oder Nacharbeiten. |
Formatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
Nach jeder Seminarsitzung verfassen die Studierenden ein kurzes Sitzungsprotokoll, in dem sie die zentralen Diskussionspunkte festhalten. Diese Protokolle werden über ILIAS eingereicht. Die Lehrperson gibt Feedback anhand einfacher Kriterien (z.B. «Relevanz der Punkte», «logische Struktur», «Begriffsschärfe»). |
Die Lehrperson erkennt frühzeitig, welche Inhalte unklar geblieben sind, und kann nachsteuern. Studierende prüfen ihr eigenes Verständnis und lernen, zwischen Haupt- und Nebenaspekten zu unterscheiden. |
Summatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Studierende erstellen am Ende eines Seminars ein umfassendes Abschlussprotokoll, das zentrale Inhalte und Erkenntnisse der gesamten Veranstaltungsreihe reflektiert und zusammenfasst. Bewertet werden fachliche Richtigkeit, Klarheit, Struktur und Einbindung in den thematischen Zusammenhang des Kurses. | Die Methode fördert die Fähigkeit der Studierenden, komplexe Themen selbstständig aufzuarbeiten und Inhalte zu synthetisieren. Sie unterstützt vertieftes Verständnis und kann als Grundlage für weiterführende wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Unvollständige oder zu detaillierte Protokolle |
Machen Sie präzise Vorgaben für Inhalt und Umfang (z.B. stichwortartig vs. Fliesstext; zentrale Punkte, keine Randnotizen). |
| Geringe Motivation, Protokolle zu lesen oder zu verfassen |
Kennzeichnen Sie Protokolle als verpflichtenden Bestandteil des Kurses; besprechen Sie diese kurz zu Beginn. |
| Fehlende Reflexion oder persönliche Wertung im Protokoll |
Geben Sie Reflexionsfragen vor, z.B.: «Was war die wichtigste Erkenntnis?» oder «Welche offene Frage bleibt?». |
| Qualitativ schwankende Protokolle (fehlende Vergleichbarkeit) |
Nutzen Sie Musterprotokollen oder Bewertungsraster (vgl. Leistungsbewertung); bauen Sie Peer-Feedback ein.
|
Alternative Methoden
One-Minute-Paper
Macht Verständnis und offene Fragen am Ende einer Sitzung sichtbar und ist sehr kurz, spontan und punktuell.
Lernjournal
Unterstützt das schriftliche Festhalten und Nachdenken über Lerninhalte und ist stärker reflexiv und subjektiv.
RSQC2
Strukturiert eine schriftliche Rückschau auf zentrale Inhalte und offene Fragen und ist stärker formalisiert mit einem festen Raster.
