Selbstgesteuertes Lernen
Selbstverantwortung für den Lernprozess
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Selbstgesteuertes Lernen bezeichnet Lernprozesse, bei denen die Lernenden zentrale Entscheidungen selbst treffen: über Ziele, Inhalte, Methoden, Zeitstruktur und Bewertung. Hochschuldidaktisch ist Selbstgesteuertes Lernen bedeutsam, weil es die Fähigkeit zur Selbstorganisation, Selbstreflexion, Eigenverantwortung und Problemlösung fördert.
Damit unterstützt Selbstgesteuertes Lernen den Shift von Lehren zu Lernen, also eine Verschiebung der Lehrverantwortung: Lehrpersonen gestalten Lernumgebungen so, dass Studierende aktiv, reflexiv und individuell lernen können, z.B. in Form von reflexionsfördernden Methoden wie Lernjournale und Quizzes als Selbsttests, oder in Verbindung mit Szenarien wie Forschendes Lernen, Problemorientiertes Lernen, oder Adaptives Lernen.
Einblicke
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
In einem sozialwissenschaftlichen Seminar im dritten Semester bearbeiten Studierende ein komplexes Fallbeispiel im Rahmen des Problemorientierten Lernens (POL). Die Aufgabe wird in Etappen aufgeteilt (z. B. Situationsanalyse, Hypothesenbildung, Recherche, Lösungsvorschlag). In jeder Phase erhalten die Studierenden formatives Feedback in Form von kurzen Reflexionsfragen durch die Lehrperson. |
Da die Verantwortung für Analyse, Recherche und Entscheidungen bei den Studierenden liegt, üben sie, komplexe Probleme eigenständig zu strukturieren und ihren Arbeitsprozess selbst zu organisieren |
| Aktivität | Nutzen |
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In einem Masterseminar arbeiten Studierende über sechs Wochen an einem eigenständig entwickelten Mini-Forschungsprojekt. Zur Unterstützung der Selbststeuerung werden regelmässige Zwischenetappen mit Checkpoints eingebaut: Abgabe eines Grobkonzepts, Peer-Feedback auf ein Zwischenprodukt und ein individuelles Reflexionsgespräch zur Halbzeit. |
Die Begleitformate unterstützen die Selbststeuerung der Studierenden: Sie schaffen Planungssicherheit, fördern die kritische Reflexion des Vorgehens und stärken so das eigenverantwortliche Zeit- und Projektmanagement. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
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| Geringe Selbstregulationskompetenz bei Studierenden |
Vermitteln Sie Lernstrategien und reflektieren Sie diese gemeinsam. |
| Überforderung bei den Studierenden durch offene Aufgabenformate |
Setzen Sie auf schrittweise Strukturierung (z.B. POL) und formatives Feedback.
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| Fehlende Motivation oder Disziplin bei den Studierenden bei langfristigen, selbstgesteuerten Aufgaben |
Nutzen Sie Zwischenetappen mit Rückmeldung (z. B. Checkpoints, Feedback-Runden). |
Ressourcen
Literatur
Zimmerman, B. J. (2002). Becoming a self-regulated learner: An overview. Theory into practice, 41(2), 64-70.
