Tutorium

Lernbegleitung durch Peers

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Tutorien sind begleitende Lehrformate, die meist durch fortgeschrittene Studierende (Tutor*innen) und in Anbindung an eine Vorlesung durchgeführt werden. Sie dienen der inhaltlichen Vertiefung und dem Training von Kompetenzen. Tutorien können fachspezifisch (z. B. Übungsbesprechungen) oder fachübergreifend (z. B. Schreibberatung) ausgerichtet sein.  

Ihr didaktischer Mehrwert liegt insbesondere im Peer-to-Peer-Setting: Tutor*innen agieren in einer doppelten Rolle – als Mitstudierende und Lernbegleiter*innen. Diese Nähe fördert ein vertrauensvolles Lernklima, senkt Hemmschwellen für Fragen und erleichtert sprachliche und soziale Anschlussfähigkeit. Inhalte und Lernstrategien können so in einer Sprache vermittelt werden, die näher an den Erfahrungen der Teilnehmenden liegt. Gerade in der Studieneingangsphase leisten Tutorien wichtige Beiträge zur sozialen Integration, zur Selbstorganisation des Lernens und zur Verstärkung des fachlichen Verständnisses. Gleichzeitig entwickeln auch die Tutor*innen ihre didaktischen, kommunikativen und sozialen Kompetenzen weiter – das macht Tutorien zu einem doppelten Lernraum. 

Einblicke

EXEMPLARISCHE AUFGABEN FÜR TYPISCHE STOLPERSTELLEN
Aktivität Nutzen
In einem Mathematik-Tutorium für Erstsemestler*innen bauen die Tutor*innen auf die Inhalte der Vorlesung auf. «Welche Themen der letzten Woche waren unklar?», «Welche Rechenschritte haben nicht funktioniert?». Die Tutor*innen sammeln die Rückmeldungen sichtbar auf einem Whiteboard. Gemeinsam mit den Studierenden formulieren sie daraus exemplarische Aufgabenstellungen, die typische Schwierigkeiten aufgreifen. Diese Aufgaben werden dann in Kleingruppen bearbeitet und anschliessend im Plenum diskutiert. 

Es werden wiederkehrende Erstsemester-Fehlerbilder identifiziert und Verständnisschwächen sichtbar gemacht. Der Austausch in Kleingruppen fördert die Reflexion der Denk- und Lösungswege.
KLARER RAHMEN DURCH ABSTIMMUNGSGESPRÄCH
Aktivität Nutzen

Im Rahmen eines Tutoriums zu einer geisteswissenschaftlichen Einführungsveranstaltung findet vor Beginn ein Abstimmungsgespräch zwischen der Professorin und der Tutorin statt. Es wird besprochen, welche Inhalte das Tutorium vertiefen soll, was ist die Rolle der Tutorin im Hinblick auf Leistungsbewertung und Lernberatung ist und welche Kommunikationswege während des Semesters (z.B. Problemfälle, Materialabstimmung) bestehen. Die Ergebnisse werden in einer kurzen schriftlichen Vereinbarung festgehalten. 

 

Das Gespräch schafft gemeinsame Orientierung über Ziele, Inhalte und Verantwortlichkeiten des Tutoriums. So entsteht ein transparenter Rahmen, der die Zusammenarbeit erleichtert und die fachliche wie organisatorische Kohärenz zwischen Vorlesung und Tutorium sicherstellt.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Geringe Vorerfahrung der Tutor*innen in Lehre und Gruppenleitung 

Stärken Sie die Begleitung der Tutor*innen zu Semesterbeginn durch verpflichtende Gesprächstermine. 

Unsicherheit seitens Tutor*innen über die Rolle zwischen «Studierender» und «Lehrperson» 

Reflektieren Sie mit Tutor*innen ihre Rolle und Erwartungen in einem Kick-off; definieren Sie klare Zuständigkeiten und Grenzen. 

Tendenz durch Tutor*innen, Lösungen «vorzudenken» statt Lernprozesse zu fördern 

 
Erinnern Sie die Tutor*innen daran, dass nicht sie selbst, sondern die Studierenden den Lernprozess durchschreiten müssen. 

Mangelnde strukturelle Anbindung an die Hauptveranstaltung

Stimmen Sie Inhalte und Methoden des Tutoriums mit der Hauptlehrperson regelmässig ab. 

 

Ressourcen

Ulrich, I. (2020). Gute Lehre in der Hochschule. Springer VS.

  • Kapitel 4.8 „Praxisbeispiele zur Lehrplanung“: Liefert Beispiele und Empfehlungen, wie Tutorien in Curricula eingebettet und Tutor*innen begleitet werden können.