Storytelling
Erzählen als Lernprozess
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Storytelling als studierendenzentrierte Methode bedeutet, dass Studierende selbst Inhalte als Geschichten, Fallbeispiele oder persönliche Narrative verarbeiten und präsentieren. Durch diese aktive Auseinandersetzung werden Lernprozesse sichtbar. Lehrende erhalten authentische Einblicke in das Verständnis und die Denkprozesse der Studierenden.
Storytelling eignet sich besonders zum Verarbeiten von Lehrinhalten und zum formativen Prüfen des Verständnisses, da Studierende durch das Erzählen eigener Geschichten ihr Wissen aktiv strukturieren und Lehrende dabei Einblick in deren Denkprozesse erhalten.
Aufwand: mittel
VORBEREITUNG: Strukturierung und Entwicklung der Geschichte
DURCHFÜHRUNG: Präsentation/Erzählung im Plenum oder Austausch in Gruppen
NACHBEREITUNG: Feedback und ggf. Reflexion
Einblicke
Verarbeiten von Lehrinhalten
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Nach einem theoretischen Input wählen die Studierenden ein zentrales Element daraus aus und übersetzen es in eine kurze Geschichte oder Fallbeschreibung, z.B. eine Szene aus der Praxis, in der das Konzept sichtbar wird («Wie würde sich das Modell X in dieser Situation zeigen?»). Die Geschichten werden in Kleingruppen erzählt und anschliessend gemeinsam besprochen. Die Lehrperson greift typische Motive aus den Geschichten auf, klärt Missverständnisse und führt zur korrekten oder erweiterten Anwendung des Konzepts zurück. | Durch das Erzählen und Zuhören werden Zusammenhänge sprachlich neu geordnet und zentrale Prinzipien mit Beispielen verknüpft. Dozierende erhalten Einblick, wie zentrale Inhalte verstanden werden, erkennen frühzeitig Verständnislücken und können nachsteuern. |
Formatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Am Ende eines Themenblocks verfassen Studierende eine kurze Lerngeschichte, in der sie einen Moment schildern, an dem ein theoretischer Gedanke oder eine Methode für sie «lebendig» wurde, z.B. ein Aha-Erlebnis, eine Schwierigkeit oder ein Praxisbezug. Diese Geschichten können schriftlich oder als Audio-/Video-Story eingereicht werden. | Die Methode regt Studierende dazu an, Inhalte in eigene Worte und Kontexte zu übertragen und Bezüge zur eigenen Biografie oder zu Berufsfeldern herzustellen. Dadurch wird das Gelernte nachhaltig verankert und die Selbstreflexion gefördert. Dozierende erhalten gleichzeitig Einblick in die Transferleistungen der Studierenden und können Rückmeldungen geben. |
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| In kleinen Gruppen erhalten Studierende die Aufgabe, eine Kurzgeschichte zu verfassen, in der ein Konzept, Prinzip oder Theorem aus der Vorlesung auf eine konkrete Situation angewendet wird. Die Geschichten werden vorgestellt, und die Gruppen geben sich gegenseitig Feedback: Was wurde richtig umgesetzt? Wo zeigen sich Missverständnisse? Die Lehrperson kommentiert typische Stärken und Schwächen der Geschichten im Plenum und ergänzt Korrekturen oder Vertiefungen. | Die Methode gibt Dozierenden direkte, qualitative Rückmeldung zum Lernstand der Studierenden und ermöglicht es, Aufgaben gezielter zu stellen und passendes Feedback zu geben. Studierende profitieren vom Perspektivenwechsel und lernen durch den Austausch mit Peers oder im Plenum von den Beispielen der anderen, wodurch ihr Verständnis vertieft wird. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Geschichten sind zu langatmig oder schweifen ab. |
Machen Sie klare Zeitvorgaben, z.B. max. zwei Minuten oder eine Seite, und fordern Sie den Fokus auf eine Kernaussage ein. |
| Manche Studierende tun sich schwer, eine Geschichte zu erfinden. |
Starten Sie mit einfachen Leitfragen, z.B. «Stell dir vor, du erklärst das einem Freund…». Geben Sie Strukturhilfen, z.B. «Anfang, Problem, Lösung, Fazit». |
| Studierende sind zurückhaltend beim eigenen Erzählen. Es gibt wenig Bereitschaft zur aktiven Beteiligung. |
Lassen Sie Geschichten als Gruppenarbeit vorbereiten und bieten Sie niedrigschwellige Formate (Audio-Story, Comic, Dialog) an. |
| «Entertainment» ohne fachlichen Gehalt. |
Verlangen Sie immer einen Bezug zu den Learning Outcomes und fragen Sie nach: «Was zeigt die Geschichte in Bezug auf unser Thema?». |
Alternative Methoden
One-Minute-Paper
Studierende verarbeiten aktiv zentrale Inhalte. Sie verfassen statt einer Geschichte eine knappe Zusammenfassung oder Schlüsselaussage.
Begründetes Keyword
Zielt darauf ab, das Wesentliche eines Themas herauszuarbeiten. Es konzentriert sich auf die Auswahl und Begründung eines einzelnen zentralen Begriffs.
Concept Map
Macht individuelle Verständnisstrukturen sichtbar und erfolgt nicht erzählerisch, sondern durch eine grafische Darstellung.
