Rollenspiel
Perspektivenvielfalt durch Simulation
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Das Rollenspiel ist eine interaktive Lehr- und Prüfungsmethode, bei der Studierende in festgelegte Rollen schlüpfen und ein konkretes Szenario exemplarisch durchspielen. Dabei agieren sie in simulierten Gesprächs- oder Entscheidungssituationen, übernehmen Perspektiven, begründen Positionen und erleben komplexe Zusammenhänge durch aktives Handeln.
Rollenspiele fördern soziale, kommunikative und reflexive Kompetenzen und eignen sich sowohl zur Verarbeitung von Lehrinhalten als auch für formatives und summatives Prüfen. Je nach Ziel und Komplexität lassen sich unterschiedliche Varianten nutzen: dialogisch, schriftlich (z.B. Essay aus der Rolle) oder mehrphasig (z.B. Planspiel).
Aufwand: mittel bis hoch
VORBEREITUNG: Realistische Rollenszenarien und Rollenprofile entwickeln, Briefing/Debriefing strukturieren
DURCHFÜHRUNG: Moderation, Beobachtung und Feedback
NACHBEREITUNG: Auswertung, Reflexion, ggf. Bewertung
Einblicke
Verarbeiten von Lehrinhalten
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
In einem Seminar analysieren die Studierenden Grundrechtskonflikte. Nach einer Diskussion schreiben sie einzeln ein Essay aus der Perspektive einer beteiligten Figur. Die Studierenden argumentieren aus ihrer Rolle, wägen Grundrechte ab und begründen eine Entscheidung. |
Die Methode verbindet das analytische Arbeiten mit kreativem, perspektivisch geschärftem Schreiben. Studierende vertiefen ihr Verständnis rechtlicher Argumentationsmuster und trainieren differenzierte Urteilsbildung. |
Formatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| In einem Seminar wechseln kompakte Theorie-Inputs mit aufeinander aufbauenden Rollenspielphasen ab, in denen die Studierenden in wechselnden Rollen verschiedene Kommunikationsstrategien erproben. Die Gespräche werden mit strukturiertem Peer- und Dozierenden-Feedback ausgewertet. | Die Methode bereitet Studierende auf berufsrelevante Gesprächssituationen vor. Sie fördert Kommunikations- und Reflexionsfähigkeit, stärkt die professionelle Selbstwahrnehmung und unterstützt den Perspektivenwechsel. |
Summatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Zu Semesterbeginn erhalten Studierende eine «Berufung» als Titularprofessor*in für ein abgegrenztes Themengebiet. Während des Semesters bereiten sie ihr Themenfeld kontinuierlich vor und beantworten Fragen ihrer Mitstudierenden. Am Semesterende bildet die Berufung die Grundlage für die Prüfung: In einer simulierten Fachsitzung mit konkreter Prüfungsfrage vertreten die Studierenden als Titularprofessor*innen ihre Theorieposition. | Die Methode überführt langfristig erworbenes Wissen in eine realitätsnahe Prüfungssituation. Sie prüft, ob Studierende ihre Theorieposition sicher darstellen, anwenden und im Vergleich argumentativ verteidigen können. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
| Rollen wirken klischeehaft. |
Formulieren Sie Rollenprofile klar und realitätsnah. Planen Sie vorbereitende Rollenerklärung ein. |
| Unsicherheit und Hemmungen auf Seiten der Studierenden in der Einstiegsphase. |
Beginnen Sie mit einfachen, klaren Szenen und führen Sie behutsam in die Methode ein. |
Alle einbeziehen (v.a. in grossen Gruppen). |
Besetzen Sie Rollen mehrfach oder lassen Sie Gruppen parallel arbeiten. |
| Schwierige Themen sind emotional überfordernd. |
Wählen Sie die Themen sensibel aus und sorgen Sie für emotionale Sicherheit (z.B. durch klare Regeln, Briefing und Debriefing). |
Alternative Methoden
Moot Court
Simuliert realitätsnahe Entscheidungssituationen mit Rollen und Argumentation, ist juristisch stark formalisiert und auf Urteilsfindung ausgerichtet. Die Rollenspiele sind thematisch und methodisch breiter einsetzbar.
Objective Structured Clinical Examination (OSCE)
Kompetenzprüfung in realitätsnahen Szenarien. Nicht ein kollektives Spiel, sondern standardisierte Einzelsettings.
Wissenschaftsjournal
Reflexion komplexer Themen in eigenständiger Auseinandersetzung. Es findet kein Rollenwechsel statt.
