Kollegiale Hospitation

Gegenseitige Lehrbeobachtung- und reflexion

Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?

Kollegiale Hospitation ist ein strukturiertes, nicht bewertendes Zwischenfeedback unter Lehrenden, bei dem sie sich gegenseitig in ihren Lehrveranstaltungen besuchen und Rückmeldungen zu bestimmten Aspekten der Lehre geben. Im Zentrum steht das gemeinsame Lernen aus der Praxis – nicht die Beurteilung. Lehrpersonen gewinnen durch die Perspektive ihrer Kolleg*innen wertvolle Einsichten in ihr Lehrhandeln, in die Wirkung von Methoden oder in die Interaktion mit Studierenden. Besonders wirksam ist die Methode, wenn der Fokus im Vorfeld klar vereinbart wird, z.B. auf Gesprächsführung, Mediennutzung oder Lernbegleitung.

Aufwand: mittel

VORBEREITUNG: Terminplanung, Leitfragen

DURCHFÜHRUNG: Beobachtung

NACHBEREITUNG: Feedbackgespräch, Auswertung, Reflexion, Anpassung

Einblicke

Zwischenfeedback

INTERAKTION UND GESPRÄCHSFÜHRUNG
Aktivität Nutzen
Im Bachelor-Seminar «Grundlagen der Sozialforschung» beobachtet eine Kollegin aus einem verwandten Fachgebiet eine 90-minütige Vorlesung eines Dozenten. Ziel ist es, herauszufinden, wie der Dozent Gruppendiskussionen moderiert und Studierende aktiv beteiligt. Die Beobachterin achtet auf Redeanteile, Impulsfragen und Visualisierung der Ergebnisse. Anschliessend teilt sie ihre Beobachtungen mit dem Dozenten und sie diskutieren mögliche Implikationen. Der Dozent erhält Rückmeldung, wie die Studierenden im Plenum einbezogen werden und ob die Diskussionsfragen das kritische Denken fördern. Der Austausch liefert konkrete Anregungen zur Gestaltung aktivierender Diskussionen und zur Balance zwischen Input und Beteiligung der Studierenden.
VERSTÄNDLICHKEIT UND MEDIENNUTZUNG
Aktivität Nutzen
Ein Dozent der Elektrotechnik lädt eine Kollegin aus der Physikdidaktik ein, eine Vorlesung zum Thema «Signalanalyse» zu beobachten. Dabei interessiert ihn, wie verständlich seine Erklärungen komplexer Formeln sind und ob die eingesetzten Medien (Tafel, PowerPoint, Simulationen) den Lernprozess unterstützen. Im Anschluss an die Vorlesung findet dazu ein 30-minütiges Feedback-Gespräch statt. Überprüfung, ob mediale Visualisierungen die kognitive Belastung verringern oder erhöhen. Die Rückmeldung hilft, Folien zu vereinfachen, zentrale Beispiele stärker zu betonen und mehr Verknüpfungen zwischen Theorie und Anwendung herzustellen.
LERNBEGLEITUNG IM LABOR
Aktivität Nutzen
Während eines Mikrobiologie-Praktikums beobachtet eine Kollegin eine Laborsitzung. Der Fokus liegt auf der Struktur der Anweisungen, der Betreuung während der Durchführung und dem Umgang mit Fehlern oder Nachfragen. Das Feedback zeigt, wie sich Rückfragen und Fehler seitens der Studierenden nutzen lassen, um das Verständnis zu vertiefen. Die Lehrperson erkennt, wann Eingriffe sinnvoll sind und wann Studierende selbständig Lösungen finden sollten – was zu einer besseren Balance zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung führt.

 

Stolperfrei durchstarten

Was kann herausfordernd sein? Was hilft in der Praxis?
Gefahr, dass Feedback als Bewertung empfunden wird.

Klären Sie Ziele und Rollen vorab: Beobachtung ist beschreibend, nicht bewertend.

Unsicherheit, worauf zu achten ist.
 
Definieren Sie Leitfragen, z.B. «Wie wird Vorwissen aktiviert?», «Wie verständlich sind Aufgabenstellungen?» Nutzen Sie die Vorlage zur Hospitation.

Zeitaufwand

Lassen Sie ggf. nur kurze Ausschnitte beobachten (z.B. 30 min.) oder lassen Sie Ihre Veranstaltung digital aufzeichnen (siehe Podcast- und Livestream Service) und besprechen Sie die Aufzeichnung später. 

 

Keine verfügbaren Hospitations-Partner*innen

Nutzen Sie alternativ den VRL-Service «Lehrfeedback durch Hospitation».

 

Hemmschwelle bei der Einladung

Betonen Sie die Freiwilligkeit und bieten Sie gegenseitige Hospitation und gegenseitiges Feedback an.

Alternative Methoden

Blitzlicht

Beinhaltet einen direkten Rückblick auf die. Rückmeldungen erfolgen spontan und weniger systematisch aus Sicht der Studierenden.

Zielscheibe

Erfasst verschiedene Dimensionen der Lehrqualität (z.B. Verständlichkeit, Aktivierung, Atmosphäre). Studierende bewerten die Lehrveranstaltung anonym und eher diagnostisch als dialogisch.

Umfragen

Liefern systematische Rückmeldungen zur Lehrpraxis. Erfassen schriftliche, studentische Einschätzungen.

 

 

Ressourcen