Unwichtiges streichen
Der Blick für das Unwesentliche
Was steckt dahinter – und wofür ist es gut?
Bei dieser Methode markieren Studierende Textstellen, die sie für unwesentlich oder überflüssig halten – im Gegensatz zum herkömmlichen Hervorheben von Schlüsselbegriffen. So trainieren sie, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, verfeinern ihr Textverständnis und fördern die Konzentration auf das Wesentliche.
Die Methode «Unwichtiges streichen» eignet sich besonders für das Verarbeiten von Lehrinhalten, sowie für das formative Prüfen.
Aufwand: niedrig
VORBEREITUNG: Bereitstellung der Texte/Materialien
NACHBEREITUNG: ggf. Feedback, Wiederaufgreifen zentraler Aspekte
Einblicke
Verarbeiten von Lehrinhalten
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Nach einem Input erhalten die Studierenden ein Arbeitsblatt oder eine Folienzusammenfassung mit überfrachtetem Inhalt. In Einzel- oder Partnerarbeit streichen sie alles, was sie für nicht zentral halten. | Die Methode wirkt aktivierend und unterstützt Studierende dabei, sich fokussiert mit dem Lerninhalt auseinanderzusetzen. Sie hilft, Überforderung durch Informationsfülle zu vermeiden, und legt den Grundstein für eine Nachbereitung. |
Formatives Prüfen
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Nach Abschluss eines Themenblocks bearbeiten die Studierenden einen passenden Text, indem sie unwichtige Abschnitte streichen und ihre Auswahl in Zweiergruppen vergleichen. Die Gruppen fassen ihre Entscheidungen stichpunktartig mit kurzen Begründungen zusammen und geben diese ab. Die Lehrperson sichtet eine Auswahl der Rückmeldungen und gibt im Plenum Feedback. | Die Methode erleichtert den Studierenden den Zugang zum Lernstoff, indem sie die Informationsflut reduziert und das Verständnis für prüfungsrelevante Inhalte stärkt. Die Lehrperson erhält gleichzeitig Einblick in die Kriterien, nach denen Inhalte gewichtet werden, und kann auf Fehlannahmen reagieren. |
| Aktivität | Nutzen |
|---|---|
| Zur Halbzeit der Lehrveranstaltung erhalten die Studierenden ein Summary der bisherigen Inhalte und streichen gemeinsam alles, was sie als «nicht zentral» einschätzen – mit anschliessender Begründung in Kleingruppen. Die Ergebnisse werden gesammelt, im Plenum verglichen und gemeinsam diskutiert. | Die Methode fördert die Selbstverantwortung der Studierenden im Lernprozess und unterstützt den Transfer von Wissen. Gleichzeitig erhalten Dozierende Einblick, welche Inhalte im Langzeitgedächtnis verankert wurden und wie zentrale Aspekte der Veranstaltung wahrgenommen wurden. |
Stolperfrei durchstarten
| Was kann herausfordernd sein? | Was hilft in der Praxis? |
|---|---|
Studierende streichen zu wenig oder zu zögerlich. |
Zeigen Sie vorab Beispiele. Vermitteln Sie das Motto «So wenig streichen wie möglich, so viel behalten wie nötig» . |
| Gefahr, dass wichtige Inhalte versehentlich als «unwichtig» gestrichen werden. |
Lassen Sie Streichungen mit Begründung (mündlich oder schriftlich) verknüpfen. |
| Methode kann für Anfänger*innen ungewohnt oder irritierend wirken. |
Wählen Sie kurze, gut strukturierte Texte. Lassen Sie in Tandems arbeiten. |
Alternative Methoden
Begründetes Keyword
Fördert die Reduktion auf das Wesentliche und schärft den Blick für zentrale Inhalte. Ist stärker verdichtend und weniger strukturierend.
One-Minute-Paper
Fördert die Reflexion und Verdichtung von Inhalten. Ist freier und individueller gestaltbar, ohne direkten Umgang mit vorgegebenen Inhalten oder Texten.
Gliederungslücken
Fördert Strukturverständnis und inhaltliche Gewichtung. Der Fokus liegt auf konstruktiver Rekonstruktion statt auf Reduktion.
